Armut bei Alleinerziehenden und was hat das mit mir zu tun ?


Dieser Tage bin ich gefragt worden,ob ich mich interviewen lasse. Für eine Frauenzeitschrift.

Thema: Armut und Alleinerziehende

Auslöser für diese Reportage ist wohl der Bericht über den Anstieg der Armut in Deutschland vor allem bei Alleinerziehenden und Familien mit drei und mehr Kindern , der vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde . Ihr findet ihn hier

Ich habe mich mit einigen meiner Bekannten und Freunde unterhalten und immer mal wieder kam die Resonanz : Du bist doch nicht arm? Wir müssen auch rechnen !

Was ist das - dieses arm sein ? Wer entscheidet, wann jemand in Deutschland arm ist ?Es wird am Nettoeinkommen festgemacht. Irgendeine Prozentzahl sagt darüber aus, ob du arm bist. Und was wenn ich mich gar nicht arm fühle ?

Was sagt der Brockhaus ( ja , ich habe so etwas in meinem Regal stehen ) über den Begriff „ arm“ ?
Armut , wirtschaftliche Situation, in der es einzelnen, Gruppen oder ganzen Bevölkerungen nicht möglich ist , sich ihren Lebensbedarf ( Existenzminimum ) aus eigenen Kräften zu beschaffen (opjektive Armut).
Quelle: Brockhaus , Band 2 , Seite 131

Nach dieser Defintion bin ich arm, denn ich erhalte zusätzlich zu meinem Gehalt noch Leistungen zu Grundsicherung meines Lebensunterhaltes. Tatsächlich bin ich sogar schon mal noch ärmer gewesen, in der Zeit als ich als alleinerziehende Mutter mit drei Kinder, später dann vier Kinder, keinen Arbeitgeber fand, der mich beschäftigen wollte.

Nach außen hat man mir, glaube ich, die Armut ( die ich nie als solche empfunden habe und es auch heute nicht empfinde) nicht angesehen. Eher meine Erschöpfung , die bedingt durch die alleinige Verantwortung für das Wohlergehen meiner Kinder, nicht ausblieb.

In mir fühle ich immer eine Dankbarkeit, dass ich in einem Land lebe, in dem das soziale Netz mich und meine Kinder auffing, als ich alleine finanziell nicht für uns sorgen konnte.

Arm sind auch Familien in denen ein Elternteil arbeiten geht. Auch diese Familien bekommen zusätzliche Leistungen um den Lebensunterhalt zu sichern.

Arm sind auch Familien in denen beide Elternteile arbeiten, denen keine zusätzlichen Leistungen zustehen und die aufgrund der hohen Lebenserhaltungskosten ( Beispiel Miete) rechnen müssen.

Arm fühle ich mich , wenn ich zur Chorprobe möchte, dort aber nicht hin kann, weil ich mir nicht vier mal im Monat einen Babysitter leisten kann.

Arm fühle ich mich, wenn ich meiner Tochter keinen Kindergeburtstag in einer der unzähligen Indoor-Spielplätzen schenken kann. Weil ich mal nicht eben 200 Euro für so eine Party ausgeben kann .( Ob ich es tun würde, wenn ich das Geld hätte, sei dahingestellt)
Die Kosten für ein Geschenk, dass mein Kind mit nimmt auf die Party, bedeutet Einschränkungen beim Kauf von z.B. Lebensmittel.

Arm fühle ich mich, weil ich mir kein Auto leisten kann, um mit meinem Kind Ausflüge zum Beispiel in die Eifel machen kann ( Glaubt mir, mit dem ÖPV habe ich von uns aus noch keine befriedigende Lösung gefunden)

Arm fühle ich mich, wenn ich höre wohin meine Mitmenschen in Urlaub fahren/fliegen

Arm fühle ich mich, wenn ich meiner Tochter den Herzenswunsch reiten lernen nicht erfüllen kann.

Dann fühle ich mich arm, beziehungsweise ausgeschlossen vom Leben.

Hier ein Zwischengedanke:
Natürlich kann man Armut auch hinter Begriffen wie Minimalismus, Nachhaltigkeit usw verstecken.
Trage ich gebrauchte Kleidung, weil ich mir neue nicht leisten kann oder weil ich nachhaltig lebe und nur bewusst gebrauchte Kleidung trage.


Wenn wir über Alleinerziehende sprechen oder schreiben, dann ist die finanzielle Seite sicherlich eine große Belastungen. Die sie alleine tragen müssen, denn es gibt keinen Partner, der vielleicht viel arbeitet und irgendwann mal zum  Gespräch zur Verfügung steht.

Allein erziehen heißt, alleine alle Entscheidungen treffen und tragen. Auch Fehlentscheidungen.

Allein erziehen heißt auch , keine Wohnung zu bekommen, weil es nur ein Einkommen gibt.


 Aber darüber schreibe ich in meinem nächsten Post.

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